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Samstag, August 05, 2006 

What a Joy


Wie verwandelt sich ein Künstler von einer tragischen Figur hin zu einem verklärten Helden für nachkommende Teenager-Generationen? Wie entstehen Legenden in der Welt des Pop? Ist es überhaupt möglich eine echte Legende zu werden, ohne einen frühen Tod gestorben zu sein? Blicken wir zurück: Die üblichen Verdächtigen Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin. Sie alle prägten ihre Zeit und ihr Musikgenre. Sie alle starben noch kurz vor ihrem 30. Geburtstag. Gleiches gilt auch für die späteren Kandidaten Kurt Cobain oder von mir aus auch Mark Spoon.

Einen aber hat es früher erwischt als alle anderen. Sein Name mag nicht ganz so bekannt sein, wie der der oben genannten; dafür war der Erfolg zu Lebzeiten einfach noch nicht groß genug. Und doch ist seine Geschichte vielleicht die traurigste und unbegreiflichste von allen: Ian Curtis, der schmächtige, leicht verschrobene Typ aus Manchester, der mit seiner Band Warsaw Ende der 70er Jahre zum ersten Mal in Erscheinung trat. Unter dem neuen Namen Joy Division, benannt nach Bordellbarracken in den Nazikonzentrationslagern, schaffte die Band schließlich in England den Durchbruch. Songs wie "Love will tear us apart" oder "Atmosphere" sind heute Klassiker. Mit Ihrem kalten, basslastigen Sound, dessen Melodien sich wie Trockeneis ins Rückenmark bohrten, trafen sie einen empfindlichen Nerv der Jugend.

1980 hätte das Joy Divison-Jahr werden können. Ihr zweites Album "Closer" war fertig zur Veröffentlichung und nach ersten kleineren Tourneen in England und auf dem europäischen Festland, hieß das nächste große Ziel USA. Es kam bekanntlich anders. Sänger Ian Curtis erhängte sich 23jährig zwei Tage vor der Abreise in die Staaten in seinem Haus bei Manchester. Er hinterließ nicht nur eine Frau und eine einjährige Tochter, sondern auch eine geschockte Anhängerschaft in der britischen Postpunk-Szene.
Das posthum veröffentlichte Album wurde ein bis dahin nicht gekannter kommerzieller Erfolg für die übrigen Bandmitglieder. Diese entschieden sich als New Order weiterzumachen. Der Rest ist Geschichte.

Joy Divisions starker Einfluss auf die Popwelt ist unbestritten. Ohne sie wäre der aktuelle Erfolg von Bands wie Interpol oder She Wants Revenge undenkbar.
Höchste Zeit also, die Geschichte von Ian Curtis und seiner Band zu verfilmen. Bislang fand er nur Erwähnung in dem (allerdings großartigen) Film 24 Hour Party People von Michael Winterbottom.

Genau 30 Jahre nach Gründung von Joy Division wird es nächstes Jahr nun einen neuen Versuch geben, den Menschen und Künstler Ian Curtis zu begreifen.
Und was bisher über das Projekt zu erfahren ist, macht auf jeden Fall mehr als neugierig. Regie führt Anton Corbijn, bisher nur bekannt für seine Musikvideos für Depeche Mode und U2.
"Control", so wird der Film heißen, ist Corbijns erster großer Spielfilm. Gedreht wird stilecht in schwarz-weiß. New Order komponiert den Soundtrack auf dem zusätzlich noch David Bowie, Iggy Pop, Roxy Music, Lou Reed und die Buzzcocks vertreten sein werden.

Ian Curtis wäre heute 60 Jahre alt. Ob ihm der Rummel um seine Person gefallen würde? Schwer vorstellbar.

[via]

Offizielle Homepage des Films
Erste Bilder vom Filmset

Update:
Joy Divisions ersten Fernsehauftritt von 1978 mit dem Song "Shadowplay" in der Sendung des echten Tony Wilson (aus "24 Hour Party People") gibt es hier zu sehen:
Joy Division on Granada TV @YouTube.

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